7 Gründe, sich NICHT ehrenamtlich zu engagieren

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Über 30 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Aber warum? Ehrenamtliches Engagement bringt so viele negative Seiten mit sich. Wenn euch mal wieder jemand vorschlägt, euch doch ehrenamtlich zu engagieren, dann habt ihr jetzt die passende Antwort: Hier sind 7 knallharte und ehrliche Gründe, sich NICHT ehrenamtlich zu engagieren.

 

1. Ehrenamtliche Arbeit ist nervig und anstrengend 🙄

Während deine Freunde bei schönem Wetter das Wochenende am See genießen oder dein Partner sich abends schon gemütlich aufs Sofa kuschelt, bist du noch ehrenamtlich im Einsatz. Das kann ganz schön nervig sein und manchmal ist auch ganzer Körpereinsatz gefordert.

2. Du triffst auf seltsame Menschen…

Wer sich zum Beispiel bewusst ehrenamtlich im Tierschutz engagiert, weil er keine Lust mehr auf Menschen hat, der ist fehl am Platze. Denn genau hier, bei der ehrenamtlichen Arbeit, ganz egal in welchem Bereich, trifft man die seltsamsten Menschen. Menschen, mit psychischen Erkrankungen. Welche mit schlechten Manieren. Menschen, die einen nur ausnutzen. Und leider auch Menschen, die Betrügen und Lügen. Diese Menschen gibt es überall. Auch in sozialen Einrichtungen. Vielleicht sogar gerade da etwas mehr.

7 gründe nicht ehrenamtlich zu helfen hund hinter gittern

3. Du wirst oft angemotzt 🤬

Ja, richtig gelesen. In der Regel wird gerne all der Ärger und Frust auf dir abgeladen. Ehrenamtliche Kollegen, Spender, Unterstützer, Interessierte oder auch die, die einfach nur mal bei Facebook meckern wollen. Du bekommst von jedem Mal etwas ab. Wenn du dich zum Beispiel im Tierschutz engagierst und hast einem Hund ein Zuhause gesucht und das neue Familienmitglied ist nicht, wie erwartet… rate mal wer dann schuld ist?! Du antwortest nicht schnell genug, bist nicht freundlich genug und überhaupt – mit Sicherheit haben ganz viele Tipps für dich, wie man es besser machen kann…

4. Du bekommst kein Geld – es kostet sogar!

In der Regel bekommt man für ehrenamtliche Arbeit keinen Cent. Auch wenn es sich oft anfühlt, wie ein bezahlter Job und man manchmal sogar eine 40 Stunden Woche oder mehr hat, Geld bekommst du dafür nicht. Im Gegenteil, meist gibst du sogar für Sprit, Spenden usw. noch Geld aus. Das machst du zwar freiwillig, aber es kostet dich trotzdem Geld. Und auf ein „Danke für deinen unermüdlichen Einsatz“ kannst du oft lange warten.

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5. Zeit, Nerven und Tränen 😢

Ehrenamtliche Arbeit kann sehr emotional belastend sein. Nicht umsonst ist die Burn-Out-Rate unter Ehrenamtlern extrem hoch. Es gibt keinen „Feierabend“. Du bist oft rund um die Uhr im Einsatz und es wird von dir erwartet, dass du auch immer abrufbar bist und Probleme löst. Außerdem bist du mit viel Leid, Grausamkeit und manchmal auch hoffnungslosen Schicksalen konfrontiert. Ich bin mir 100% sicher, dass sich jeder ehrenamtlich Tätige mindestens einmal im Monat den Kopf zerbricht. Und ich will gar nicht wissen, wie oft hinter verschlossenen Türen, da wo keiner einen sieht, Tränen der Machtlosigkeit und Verzweiflung fließen.

6. Wie man es macht, ist es falsch

Warum hilfst du Tieren und nicht Kindern? Wieso hilfst du Kindern in Afrika und nicht im eigenen Land? Warum hilfst du Obdachlosen und nicht Senioren? Und so weiter… Ich bin mir sicher, egal in welchem Bereich man arbeitet, es gibt immer jemanden, der deine Arbeit besser woanders eingesetzt wüsste. In der Regel engagiert sich der, der dir diesen Vorwurf macht, aber weder für das eine, noch für das andere 😉

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7. Familie, Freunde und Privatleben leiden

Oh ja, ich bin mir sicher, jeder Ehrenamtler weiß ganz genau, wovon ich spreche. „Kommst du endlich?“ „Ja, nur noch 5 Minuten…“. Weil man als ehrenamtlich tätiger viel im Einsatz ist, leidet oft das Privatleben darunter. Und auch Zuhause vorm Fernseher lassen dich die Geschehnisse aus der ehrenamtlichen Arbeit nicht los. Darum brauchen auch Partner, Familie und Freunde starke Nerven und Geduld. Denn oft sind sie nicht an erster Stelle und Termine und Verabredungen werden immer mal wieder, auch spontan verschoben, wenn ein ehrenamtlicher Notfall dazwischen kommt.

💚 Warum ich trotzdem ehrenamtlich arbeite 💚

Das waren 7 knallharte Gründe, sich NICHT ehrenamtlich zu engagieren. Und sie sind alle wahr und keinesfalls übertrieben. Aber ich arbeite dennoch aus tiefstem Herzen und mit voller Überzeugung gerne ehrenamtlich. Und ich werde es auch weiter tun. Denn es ist trotz allem das erfüllendste, was ich je getan habe. Es gibt kaum Momente, in denen ich in meinem Leben glücklicher war, als in denen, wo ich im Tierheim stand, voller Dreck, Kot und Urin – aber umringt von glücklichen Fellnasen. Oder nach einer erfolgreichen Spendenaktion, auf die man mit viel Mühe und Leidenschaft lange hingearbeitet hat. Nach einem Facebookaufruf für ein vermisstes Tier, dass dank der Hilfe von Facebookfans schnell wiedergefunden wurde. Oder nach einem heißen, anstrengenden Sommerfest, auf dem ich hunderten Besuchern Tierzubehör verkauft habe und am Ende des Tages eine enorme Summe für das Tierheim eingenommen habe.

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Du machst den Unterschied

Ehrenamtliche Arbeit macht unfassbar glücklich! Denn mit deiner Arbeit machst DU den Unterschied. Und in dem Moment sind dann auch alle vorausgegangenen Strapazen und all die harte Arbeit vergessen. Es ist dir egal, ob dir jemand Danke sagt oder dass du dafür kein Geld bekommst. Denn durch deine Arbeit, hast du etwas verändert. Durch dich hat ein Hund ein neues Zuhause. Durch dich wurde ein Leben gerettet, einer Oma ein Lächeln auf die Lippen gezaubert und eine Familie wieder glücklich vereint. Und neben vielen seltsamen, manchen verrückten und einigen sehr gemeinen Menschen, triffst du auch tolle Menschen. Menschen, die so sind, wie du. Die deine Werte teilen und sich mit genau so viel Einsatz für etwas Gutes engagieren, wie du. Menschen, die zu Freunden werden und auf die du niemals mehr verzichten möchtest. Das alles ist viel mehr Wert, als Geld. Und es ist der schönste Dank, den man sich wünschen kann.

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Wie man ehrenamtlich tätig wird

Als Kind kann man sich schon in Kinder- und Jugendgruppen, wie zum Beispiel einer Tierschutzjugend engagieren. Und ab 18 geht es dann richtig los. Um ehrenamtlich zu arbeiten, ist es nie zu spät. Und ich finde auch besonders für Rentner und Alleinstehende ist Vereinsarbeit eine tolle Möglichkeit, unter Menschen zu kommen und aktiv zu bleiben. Im Tierheim arbeiten zum Beispiel viele Seniorinnen schon seit vielen, vielen Jahren als Gassigänger oder Katzenkuschler. Die Damen freuen sich, gemeinsame Spaziergänge zu machen, genießen die Arbeit mit den Tieren und sagen, dass sie dadurch immer fit bleiben.

So fing es bei mir an

ehrenamtlich tätig werdenIch habe damals während meines Studiums angefangen ehrenamtlich zu arbeiten. Da ich meinen damaligen Hund aus einem Tierheim adoptiert hatte, von einer Flüchtlingskrise noch nicht die Rede war und ich mich mit Kindern und Senioren etwas schwertat, beschloss ich mich ehrenamtlich im Tierschutz zu engagieren. Ich schrieb verschiedene Tierheime aus meiner Region an und bot meine Hilfe an. Bewerben muss man sich in der Regel nicht. Aber es macht schon Sinn, einen kurzen Text zu verfassen. In diesem schreibt man, warum man ehrenamtlich arbeiten möchte, was man am liebsten machen würde und wie viel Zeit man ca. bereit ist, zu investieren. So kann sich der Verein direkt ein Bild machen und überlegen, wo man diesen Ehrenamtlichen am besten einarbeitet.

Ehrenamtlich im Büro

Ich hatte mir damals überlegt, dass ich mein Ehrenamt gerne mit etwas für meinen Lebenslauf nützlichem verbinden wollte. Darum entschied ich, ehrenamtlich im Büro vom Tierheim zu arbeiten. Ich arbeitete bis dato als Verkäuferin auf dem Wochenmarkt und als freie Journalistin. Aber ich war noch nie in einem Büro tätig. Ich wurde recht schnell eingearbeitet und durfte etwa ein Jahr lang im Tierheimbüro mehrmals wöchentlich den Telefondienst übernehmen, Fund- und Vermisstenmeldungen aufnehmen, Briefe verschicken und E-Mails beantworten. Irgendwann fiel mir allerdings auf, dass dem Tierheim noch eine Facebookseite fehlte.

Optimale Berufsvorbereitung

ehrenamtliche arbeitZu dem Zeitpunkt hatten noch nicht viele Tierheime eine Facebookseite. Aber ich wollte mit unserem Tierheim einer der Vorreiter sein. Also bearbeitete ich den Vorstand so lange, bis ich das GO bekam. Und so baute ich vor einigen Jahren die Facebookseite vom Tierheim Moers auf und war irgendwann fast täglich im Tierheim, schrieb Beiträge, machte Fotos und kümmerte mich alleine um die Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen Netzwerken. Dass war eine sehr wichtige Berufserfahrung, die mir nach meinem Studium den Berufseinstieg als PR & Social Media Managerin extrem erleichterte und mir viele Türen öffnete. Kaum ein Student hatte so viele Jahre Berufserfahrung und konnte dazu noch ein sehr gutes Arbeitszeugnis vorweisen. Auch heute kümmere ich mich noch mit um die Facebookseite, die Öffentlichkeitsarbeit und um das Fundraising im Tierheim. Aber natürlich hat man als Vollzeitberufstätige nicht mehr so viel Zeit, wie noch als Student. Darum habe ich mir ehrenamtliche Unterstützung gesucht 😊

Vielseitige Aufgaben, den Stärken entsprechen

Für mich waren die Aufgaben, die ich mir im Tierheim aussuchte perfekt. Grundsätzlich gilt für alle, dass man sich ehrenamtlich ganz nach seinen Stärken entsprechend engagieren kann. Sei es im Büro, im Bereich Social Media, beim Aufbau der Webseite oder z.B. bei der direkten Arbeit mit Tieren als Gassigänger oder Katzenkuschler oder eben mit Menschen. Aber auch wenn man eher handwerklich begabt ist, kann mich sich als Hausmeister, Gärtner, Maler oder Elektriker engagieren. Wenn man gerne backt und kocht, kann man bei allen Festen und Veranstaltungen für das leibliche Wohl sorgen und die Leckerein anschließend auch verkaufen. Die Möglichkeiten sind sehr vielseitig und man kann sich in der Regel sehr frei aussuchen, was man gerne machen möchte. Denn Hilfe wird überall gerne angenommen.

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Was muss man mitbringen:

Das einzige, was man mitbringen sollte, ist Zeit. Aber auch die kann man sich recht flexibel einteilen. Wichtig ist nur, dass man zuverlässig ist und der Verein weiß, wann man viel Zeit hat und wann man sich eher zurücknehmen muss. Es gibt ehrenamtliche Helfer, die z.B. nur bei Festen und Veranstaltungen helfen oder ausschließlich an Wochenenden im Einsatz sind, weil es ihre Zeit nicht anders zulässt. Und dann gibt es Gassigänger, die 7 Tage die Woche, bei Wind und Wetter 365 Tage im Jahr mehrere Stunden täglich im Tierheim arbeiten. Genau das finde ich so großartig an ehrenamtlicher Arbeit. Du machst exakt das, was dir Spaß macht und du machst es so viel, wie du es möchtest und kannst.

Ehrenamtliches Engagement ist toll!

Trotz all der Nachteile und Gründe, nicht ehrenamtlich zu arbeiten, überwiegen für mich ganz klar die Vorteile. Denn das gute Gefühl kann einem keiner ersetzen. Ehrenamtliche Arbeit, ganz egal in welchem Bereich – Tierschutz, Umweltschutz oder Menschenhilfe – ist so wertvoll. Da ist es auch ganz egal ob man im In- oder Ausland hilft. Denn Hilfe wird überall so dringend benötigt. Jeder Ehrenamtler tut etwas Gutes und leistet einen sehr wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und macht die Welt ein Stückchen besser.

„Ein Lebenwesen zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Lebewesen!“

 

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Svenja, ja du hast Recht! Ehrenamtliche Arbeit macht glücklich!❤️Auch wenn man mal kritisiert wird, weil man was falsch gemacht hat, auch wenn man mal glaubt, dass es nicht immer geschätzt wird. Aber wenn man dann ins Tierheim kommt und ruft die Katzen mit Namen und sie kommen miauend angerannt, weil sie deine Stimme kennen, weil sie wissen, dass es jetzt frisch gekochte Hähnchenbrust gibt! Ja auch wenn das dem Tierschutz widerspricht, sind viele Katzen darüber froh. Wenn sie die neue Situation im Tierheim noch nicht verstehen können, wenn sie ihre Lieben verloren haben, wenn sie vielleicht schlecht behandelt wurden oder die Welt nicht mehr verstehen, weil sie einfach abgegeben wurden! Sie fressen kaum etwas und ziehen sich zurück bis sie allmählich wieder Vertrauen zum Menschen fassen können. Dabei hilft auch das besondere Fressen wie Hähnchen. Dass man auch manchmal vor Freude weint, wenn ein Tier ein neues liebevolles Zuhause findet. Aber auch das macht glücklich! Aber du engagierst dich für Tiere aus Rumänien, das zeichnet dich besonders aus. Wie schwer es ist einige Hunde aus der Tötungsstation rauszuholen und diese Entscheidung zu treffen! Hochachtung für dich und die Anderen des rumänischen Tierheims!! Ich bewundere dich sehr und hoffe, dass du nicht aufgibst!! LG Ute

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